Montag, 14. Mai 2012
Montag, 7. Mai 2012
Mittwoch, 25. April 2012
Montag, 2. April 2012
02.04.12
Paul Ridder
Bezahlbare Gesundheit
Der Streit um die Gesundheitsreform
Die Suche nach einem geeigneten Modus zur Finanzierung medizinischer Versorgung in Deutschland führte auf die alternativen Modelle der Gesundheitsprämie und der Bürgerversicherung. Um die Wahl der Systemsteuerung entbrannte heftiger politischer Streit ... Wer sich informieren möchte über die Funktionsweise des Gesundheitssystems, über Akteure und Konzepte der Gesundheitspolitik und jene Prozesse, die einen verbindlichen Konsens bewirkten, der erfährt hier, wie der Aufbau legitimer Macht funktioniert.
Verlag für Gesundheitswissenschaften, www.galenos.de
ISBN 3-9807065-8-3 , 340 S., 3 Abb., br., 32,- €
26.93.12 DocMorris-. Versandapotheke wird offenbar verkauft
Die Versandhandelsapotheke DocMorris bekommt möglicherweise bald einen neuen Eigentümer. Medienberichten zufolge werden Investoren für das Unternehmen gesucht.
Die Versandhandelsapotheke DocMorris wird einem Pressebericht zufolge verkauft. Der Stuttgarter Pharmagroßhändler Celesio, zu dem DocMorris gehört, habe die Deutsche Bank beauftragt, Investoren zu suchen, berichtete die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (Dienstagausgabe). Celesio selbst habe sich mit Verweis auf die Bilanzpressekonferenz am Dienstag zunächst nicht dazu geäußert.
Die Celesio-Führung habe kürzlich in einem vertraulichen Spitzengespräch mit Vertretern der Apotheker-Verbände ABDA und DAV über die Verkaufspläne berichtet, schrieb die Zeitung. Es sei das erste Gespräch seit fünf Jahren gewesen. Seit Celesio im Frühjahr 2007 DocMorris kaufte, hatte zwischen dem Pharmagroßhändler und den Apothekerverbänden Eiszeit geherrscht.
Der Verkauf soll dem Bericht zufolge möglichst noch in diesem Jahr über die Bühne gehen und dürfte Celesio einen dreistelligen Millionenbetrag bringen. DocMorris erzielt demnach im Versandhandel einen Umsatz von gut 300 Millionen Euro und gilt als durchaus rentabel. Unklar sei noch, ob lediglich das Geschäft der Versandapotheke abgegeben werde oder auch die Marke DocMorris. Insgesamt besitzt Celesio dem Bericht zufolge 2300 eigene Apotheken in Europa, mit Schwerpunkt in Großbritannien, und beliefert über den Großhandel 65 000 Apotheken.(focus)
26.03.12 Techniker Krankenkassen informiert über gefährliche Verordnungen
Die Techniker-Krankenkasse (TK) will ihren Arzneimittelreport für niedergelassene Ärzte um Angaben zur sogenannten Priscus-Liste erweitern. Der Report enthält bislang eine Übersicht, die dem Arzt zeigt, welche Medikamente er den TK-Versicherten im zurückliegenden Quartal verordnet hat. Wenn der Arzt einem Patienten über 65 Jahre ein Priscus-Medikament verschrieben hat, bekommt er künftig einen entsprechenden Hinweis angezeigt.
„Mit dem neuen Service möchten wir die Ärzte in ihrem Praxisalltag unterstützen, um mit ihnen gemeinsam eine qualitativ hochwertige Arzneimitteltherapie zu gewährleisten“, sagte Tim Steimle, Apotheker und Fachbereichsleiter Arzneimittel bei der TK.
Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) begrüßte die Verwendung der Priscus-Liste als die zurzeit beste verfügbare Empfehlung, um potenziell inadäquate Medikation bei Älteren in Deutschland zu vermeiden. Sie wies allerdings darauf hin, dass bislang keine Studien existieren, die sicher belegen, dass die Beachtung der Liste Stürze, arzneimittelbedingte stationäre Aufenthalte und andere Medikamenten-Nebenwirkungen tatsächlich vermeidet. Die Anwendung der Priscus-Liste erfolge daher „unter Vorbehalt“.
Obwohl die Fachgesellschaft Aktivitäten begrüße, die sich kritisch mit dem Einsatz von Medikamenten bei Älteren beschäftigten, warnte sie davor, „durch Kriterien der Priscus-Liste eine Sanktionierung von Verschreibungen im niedergelassenen Bereich anzustreben“. Dies ist laut der DGG verfrüht und nicht gerechtfertigt.
Neben den Ärzten stellt die TK künftig auch ihren Versicherten die Informationen zur Priscus-Liste zur Verfügung. Hat ein Versicherter, der 65 Jahre oder älter ist, ein Priscus-Medikament verordnet bekommen, wird dies im Arzneimittel-Kontoauszug hervorgehoben. „Die Patienten können mit dieser Information auf ihren Arzt zugehen und mit ihm mögliche Alternativen besprechen“, so Steimle.
Die Priscus-Liste enthält 83 Arzneimittelwirkstoffe, die für Senioren eingeschränkt zu empfehlen sind. Ärzte sollten diese Medikamente deshalb nur nach einer genauen Nutzen-Risiko-Bewertung verordnen, denn ältere Menschen können unter Umständen empfindlicher auf diese Arzneimittel reagieren und dadurch häufiger an unerwünschten Arzneimittelwirkungen leiden. Wissenschaftler haben die Wirkstoffübersicht im Auftrag des Bundesforschungsministeriums erstellt.
Laut TK hat jeder vierte Versicherte der Krankenkasse über 65 Jahre 2011 mindestens ein Medikament der Priscus-Liste erhalten. (ärztetblatt)
28.03.12 Versorgung von Demenzkranken. Kabinett beschließt Pflegereform
Das Bundeskabinett hat am Mittwoch einen Gesetzentwurf zur Reform der Pflegeversicherung verabschiedet. Bundesgesundheitsminister Bahr (FDP) sprach hernach von einem zentralen Projekt der Regierung, mit dem die Leistungen der Versicherung „konsequent auf die Bedürfnisse der an Demenz erkrankten Menschen“ ausgerichtet würden. Zur Finanzierung der Verbesserungen soll der Beitragssatz zur Pflegeversicherung vom kommenden Jahr an um 0,1 Punkte auf 2,05 (Kinderlose 2,35) Prozent des beitragspflichtigen Einkommens von 3825 Euro im Monat steigen.
Neu ist, dass nach dem Entwurf auch ambulant versorgte Demenzkranke Hilfen in Anspruch nehmen können, die keiner der drei Pflegestufen zugewiesen sind. Auch für Pflegebedürftige in den Pflegestufen eins und zwei sollen die Leistungen für ambulante Pflegedienste oder die Betreuung durch Angehörige erhöht werden. Eine Sonderförderung ist für Pflege-Wohngemeinschaften vorgesehen. Ihm sei wichtig, dass Menschen so lange wie möglich zu Hause bleiben könnten, hob Bahr hervor.
Die Reform deckt nur einen Teil der Ankündigungen der Koalition zur Pflegepolitik ab. Schon seit einigen Wochen wird weiter an einer Neudefinition des Begriffs der Pflegebedürftigkeit gearbeitet. Bahr vermied die Festlegung darauf, ob dies bis zum Ende der Wahlperiode abgeschlossen sei. Eine Neubeschreibung von Pflegezielen dürfte mit zusätzlichen Kosten verbunden sein.
Die Koalition hat sich schon darauf festgelegt, die private Vorsorge für eine spätere Pflegebedürftigkeit von 2013 an zu fördern. Wie und in welcher Höhe das geschehen soll - 100 Millionen Euro im Jahr oder mehr, als Zuschuss oder die Steuerlast mindernd -, ist strittig. Bahr blieb hierzu am Mittwoch unpräzise. Er machte aber deutlich, dass er mehr Bundesmittel für notwendig hält. „Bisher ist nur ein Merkposten im Haushalt drin, deshalb werden wir auch noch Gespräche führen“, sagte Bahr. Er wird darin von den Gesundheitspolitikern der Koalition unterstützt. Aktuell beziehen 2,4 Millionen Menschen Pflegeleistungen. Die Hälfte davon gilt als demenzkrank. Ihre Zahl wird stark zunehmen.
Der Opposition geht die Reformankündigung nicht weit genug. Die SPD warb für eine deutlich bessere Versorgung von Demenzkranken und ein Pflegegeld nach Vorbild des Elterngelds. „Uns ist bekannt, dass das mit einer klaren Anhebung des Pflegebeitrags um 0,6 Prozentpunkte verbunden ist“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Oppermann. Die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Elke Ferner warf Bahr Etikettenschwindel und Drückebergerei vor. Nordrhein-Westfalens Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) warnte, ohne durchgreifende Reform fahre „der Bund das Pflegesystem vor die Wand“. Sozialverbände und Gewerkschaften nannten die Vorschläge unzureichend. Die Arbeitgeber bemängelten, dass der Beitrag steige, ohne dass die strukturellen Finanzprobleme der Versicherung behoben seien.
Der Entwurf des „Pflege-Neuausrichtungs-Gesetzes“ sieht unter anderem ein zusätzliches Pflegegeld für Demente vor, die bisher in keiner Pflegestufe sind, wenn sie durch Angehörige oder ambulante Pflegedienste betreut werden. Von Januar an sollen „Menschen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz“, die in keine Pflegestufe eingruppiert sind (Pflegestufe 0), Anspruch auf mehr Hilfe haben. Zusätzlich zu dem heute geltenden Betrag von 100 oder 200 Euro können Demenzpatienten ein monatliches Pflegegeld von 120 Euro in bar oder Pflegesachleistungen von bis zu 225 Euro erhalten. Für demenzkranke Pflegebedürftige in Pflegestufe I wird das Pflegegeld um 70 Euro auf 305 Euro oder als Pflegesachleistungen um 225 Euro bis 665 Euro erhöht. Pflegebedürftige in Pflegestufe II erhalten nach den Plänen ein um 85 Euro höheres Pflegegeld von dann 525 Euro oder um 150 Euro höhere Pflegesachleistungen von bis zu 1250 Euro im Monat.
(F.A.Z. )
27.03.12 Private Krankenversicherung: Barmenia blickt optimistisch in die Zukunft
Gesundheit ist ein hohes Gut. Während Parteien wie die Grünen oder die Linke von einer
allgemeinen staatlichen Bürgerversicherung träumen, bleibt die Branche der privaten Krankenversicherer dennoch optimistisch und gelassen. Wie Josef Beutelmann, Vorstandschef der Barmenia-Versicherungen gegenüber der FTD bestätigte, sieht er das Bestehen der Privaten Krankenversicherung über das Jahr 2013 hinweg als nicht gefährdet an.
Beutelmann, dessen Barmenia-Krankenversicherung 2011 stark wuchs, verweist auf den Rückhalt der Bundesregierung und Angela Merkels für das Konzept eines Miteinanders von Privater Krankenversicherung und GKV. Einzelmeinungen in der CDU-Fraktion, wie etwa die Auffassung des jungen Abgeordneten Jens Spahn, der sich eine Bürgerversicherung vorstellen kann, schrecken Josef Beutelmann da nicht sehr: "Ich glaube, die Meinung des Herrn Spahn ist singulär". Grund für Optimismus sieht Beutelmann auch für den Fall einer zukünftigen Großen Koalition auf Bundesebene, da auch die Große Koalition von 2005 bis 2009 am gemischten Modell von GKV und PKV nichts geändert habe.
Allerdings sei die Aushandlung eines privaten Mindestversicherungsschutzes notwendig. Denn aggressive Kundenakquise mit üppigen Provisionen sei Vergangenheit. Schließlich gebe es ab dem 01.04.2012 eine Deckelung von Gesetzes wegen und die Gesamtentwicklung der PKVen werde von der BaFin weiterhin beobachtet.
Private Krankvenversicherungen sind populär, weil sie ihren Kunden einen bevorzugten Krankenversicherungsschutz bieten können, und in den letzten Jahren zunehmend flexiblere und an die Kunden angepasste Tarife entwickelt haben, deren Beiträge sich teilweise von den Tarifen der GKV nicht mehr stark unterscheiden. Viele Patienten fahren mit der PKV günstiger und besser. Die Existenz der PKV zwingt auch die GKV, bessere Tarife anzubieten, um einen Abgang ihrer Kunden zu den PKV zu verhindern.
Ob eine Bürgerversicherung vor diesem Hintergrund eine Verbesserung darstellen würde ist unklar. Sollte aber der Fall eintreten, dass die Politik die einheitliche Bürgerversicherung doch einführt, wird sie Privatpatienten den Eintritt in diese auferlegen. Gerade dies aber macht einen Wechsel zur PKV heute risikoloser. )pkv-beitrag.net )
27.03.12 GEHALTSSTREIT. Kassenarzt-Chef Köhler geht auf Bahr zu
Im Tauziehen um sein 350.000-Euro-Jahresgehalt geht der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, auf Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) zu.
Im Tauziehen um sein 350 000-Euro-Jahresgehalt geht der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, auf Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP, im Bild) zu.
Foto: Herbert Knosowski dpa
«Die verzerrte Diskussion der vergangenen Wochen um die Höhe meines Vorstandsgehalts belastet die notwendige Sacharbeit um die Umsetzung des Versorgungsstrukturgesetzes in erheblichem Maße», sagte Köhler am Mittwoch in Berlin.
Gesundheitsministerium hatte Köhlers Gehaltserhöhung beanstandet
Dabei handelt es sich um das jüngste Ärztegesetz der Regierung. Diese Diskussion widerspreche auch seinem Verständnis von der Wahrnehmung des Amtes. Dem Gesundheitsministerium sei er bei der Gestaltung seines Arbeitsvertrags deshalb entgegengekommen, sagte Köhler ohne Nennung von Details. (augsbuger alkgemeine)
29.03.12 Kritik an Beitragssteigerungen. Verbraucherschützer fordern Reform der Privatkassen
Weil sich immer mehr Menschen mit einer privaten Krankenversicherung (PKV) über hohe Tarife beschweren, haben Verbraucherschützer eine grundlegende Reform des Systems gefordert.
Der Bundesverband der Verbraucherzentralen kommt in einer Untersuchung von 144 Beschwerden von Privatversicherten zwischen Dezember 2011 und März 2012 zu dem Ergebnis, dass deren Beiträge zum Jahreswechsel im Schnitt um 23,9 Prozent stiegen. In der Spitze erreichten die Erhöhungen bei einigen Versicherten sogar 60 Prozent. Besonders betroffen waren demnach langjährige Kunden und ältere Versicherte.
"Tarifwechsel muss leichter werden"
Fordert ein einfacheres Tarifsystem bei den Privatkassen: Der Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Billen.
Die Stichprobe zeigt nach Angaben der Verbraucherschützer außerdem, dass das Wechselrecht der Versicherten in einen günstigeren Tarif vielfach unterlaufen werde.
Nur in vier der 144 Fälle sei der Wechsel problemlos gewesen. "Die Möglichkeit, innerhalb der PKV in günstigere Tarife zu wechseln, muss einfacher werden", forderte daher Gerd Billen, Vorstand des Bundesverbandes.
Außerdem bemängelte er, dass es innerhalb der PKV an einer wirksamen Kostendämpfung fehle. Als wesentliche Eckpunkte einer Reform nannte er die Einführung des Sachleistungsprinzips.
Die Abrechnung solle nur noch zwischen Leistungserbringern, also etwa Ärzten, und dem Versicherer erfolgen. Bislang gilt das Kostenerstattungsprinzip: Der Privatversicherte erhält eine Rechnung, die er mit seiner Krankenversicherung abrechnet.
"Gerechtigkeitsdefizite sollen ausgeglichen werden"
Zugleich rief Billen Gesundheitsminister Daniel Bahr auf, die unterschiedlichen Tarife bei der PKV zügig systematisch zu untersuchen und kundenfreundliche Reformen auf den Weg zu bringen. Es gehe darum, "Gerechtigkeitsdefizite auszugleichen und Effizienzsteigerungen zu erzielen", um die "Beitragsexplosion" zu stoppen.
Der Verband der Privaten Krankenversicherung bezeichnete die Erhebung als "unseriös". Mehrere unabhängige Branchen-Analysedienste hätten einen Beitragsanstieg in der PKV von durchschnittlich nur rund zwei Prozent festgestellt, erklärte Verbandschef Volker Leienbach. Zudem habe jeder Privatversicherte "das gesetzliche Recht zum Wechsel in andere, preiswertere Tarife seines Versicherers".
Nach Angaben des Verbands sind gut 8,9 Millionen Menschen komplett privat krankenversichert. Wer sich 2012 privat krankenversichern will, muss mehr als die Jahresarbeitsentgeltgrenze von 50.850 Euro verdienen, Beamter, selbstständig oder Freiberufler sein.
Bahr drängt PKV zu günstigeren Tarifen
Angesichts der Kritik der Verbraucherschützer nimmt Bundesgesundheitsminister Bahr (FDP) die Versicherungsbranche in die Pflicht. "Es ist Aufgabe der Privaten Krankenversicherung, andere Angebote zu machen. Sie müssen zeigen, dass es auch neue und günstigere Tarife gibt. Insofern ist es gut, wenn die Verbraucherzentralen auf solche Ausreißer, bei 9 Millionen immerhin 140 Beschwerdefälle, hinweisen und damit Druck machen", erklärte der Minister gegenüber dem NDR.
Die Systemfrage stellt sich für Bahr jedoch nicht. Zuletzt hatte Unions-Gesundheitsexperte Spahn die Trennung zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung als nicht mehr zeitgemäß bezeichnet.
"Ich habe der Öffentlichkeit entnommen, dass Herr Spahn nicht für die Union spricht. Es gibt einen klaren Koalitionsvertrag, der sagt, dass an dem Zwei-Säulen-Modell von privater und gesetzlicher Krankenversicherung festgehalten werden soll. Mir ist nicht bekannt, dass die Union die Private Versicherung in Frage stellt", betonte der Bundesgesundheitsminister.
(ard tagesschau)
28.03.12 Pharmabranche verlangt ein Ende des Zwangsrabatts
Die großen deutschen Pharmahersteller verlangen eine Abschaffung des Zwangsrabatts von 16 Prozent an die Krankenkassen. "Wir erwarten für unsere Industrie eine Entlastung im nächsten Jahr", sagte der Vorstandsvorsitzende des Verbands Forschender Pharmahersteller, Hagen Pfundner, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" laut Vorabbericht.
Die großen deutschen Pharmahersteller verlangen eine Abschaffung des Zwangsrabatts von 16 Prozent an die Krankenkassen. "Wir erwarten für unsere Industrie eine Entlastung im nächsten Jahr", sagte der Vorstandsvorsitzende des Verbands Forschender Pharmahersteller, Hagen Pfundner, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" laut Vorabbericht. Für die Kürzung wolle er auch am Donnerstag in einem Gespräch mit Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) werben. "Unter dem Strich reden wir über sechs bis acht Milliarden Euro insgesamt", sagte Pfundner.
Dem Blatt zufolge prüfen Unternehmen bereits die Möglichkeit einer Klage gegen den Zwangsrabatt. Angesichts der knapp 20 Milliarden Euro hohen Rücklagen im Gesundheitsfonds und bei den Kassen sei der Verzicht auf diesen möglich. (der westen)
30.03.12 Preisschock für Privatpatienten. Verbraucherschützer: Versicherer hindern Kunden am Tarifwechsel
Kritik klingt meist lauter als Lob, eine Beschwerde oft inbrünstiger als Zustimmung. Das erklärt zum Teil das Ergebnis einer Stichprobe der Verbraucherzentralen, der zufolge Privatpatienten Anfang des Jahres stärker zur Kasse gebeten worden sind als bisher angenommen. Schließlich werden sich kaum zufriedene Privatpatienten an die Verbraucherschützer gewandt haben. Wegwischen sollte die Private Krankenversicherung (PKV) die Nöte ihrer Kunden mit diesem Argument jedoch nicht.
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Die Verbraucherzentralen haben bundesweit Beschwerden zur jüngsten Welle von Preiserhöhungen der privaten Krankenversicherung gesammelt, ausgewertet und das Ergebnis nun veröffentlicht. Besonders negativ fielen dabei die beiden Versicherer Central und Gothaer auf: In der Spitze erhöhten sie Beiträge zum Jahreswechsel um 60 beziehungsweise 45 Prozent. In den an die Verbraucherzentralen herangetragenen Fällen schlug Central im Schnitt um 28,4 Prozent, Gothaer um 26,4 auf.
Grundlage für die Untersuchung sind 144 Beschwerden über Beitrags- und Wechselprobleme von Privatversicherten aus den vergangenen drei Monaten. Die Auswertung sei zwar nicht repräsentativ, erklärte Gerd Billen, Vorstand des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen. Er habe aber den Eindruck, dass die Beitrags- und Wechselprobleme "systemischen Charakter" hätten. Der Verband der privaten Krankenversicherung reagierte sofort und wies die Vorwürfe zurück. Es handle sich lediglich um Einzelfälle: "Dass die Verbraucherzentrale aus bundesweit 144 Beschwerden bei insgesamt neun Millionen Privatvollversicherten allen Ernstes Schlussfolgerungen über angebliche Systemfehler der PKV ziehen will, ist schlicht unseriös."
Branchenbeobachtern zufolge sind Beiträge in der privaten Krankenversicherung durchschnittlich um zwei bis drei Prozent gestiegen. Morgen & Morgen veröffentlichte vor einigen Wochen eine Studie, laut der 45 Prozent der PKV-Tarife nicht von Beitragserhöhungen betroffen sind. Zum Vergleich: In den von den Verbraucherzentralen untersuchten Fällen stiegen die Versicherungsprämien im Schnitt um 23,9 Prozent. Dabei sind die Preisanstiege, die einzelne Privatversicherte immer wieder aufschreien lassen, nach Ansicht der Verbraucherschützer ohnehin nur Symptom bestehender Fehlkalkulationen in der privaten Krankenversicherung.
Ein weiteres Problem stellen billige Einsteigertarife dar. Michael Wortberg, Versicherungsreferent der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. gibt zu bedenken, dass solche Lockvogelangebote oft nicht mal kostendeckend kalkuliert seien. Einige PKV-Unternehmen wollten durch die Einsteigertarife junge kinderlose Gutverdiener an ihr Unternehmen binden - in der Erwartung, dass der Kunde über kurz oder lang in einen "richtigen" Tarif wechselt. Denn oft seien die sehr günstigen Beiträge nicht ausreichend für die angebotenen Leistungen.
Die Kritik der Verbraucherschützer richtet sich darauf, dass Privatversicherer in vielen Fällen das Wechselrecht ihrer Kunden unterlaufen würden. Während die Anbieter im Fall der Billig-Tarife auf einen Wechsel ihrer - unterkalkulierten - Kunden bauten, schienen sie sonst keine große Unterstützung zu sein, wenn ein wechselwilliger Versicherter an sie herantritt. (Welt)
30.03.12 Reha-Budget: Starke Kritik von DGB und BDA am Regierungsentwurf
Vertreter des DGB und der BDA schlossen sich auf der Mitgliederversammlung der DEGEMED der Kritik des Verbandes am Gesetzentwurf der Bundesregierung an. Die beabsichtigte Erhöhung erst im Jahr 2017 komme zu spät und sei zu niedrig.
Der in der vergangenen Woche vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) vorgelegte Entwurf des „RV-Lebensleistungsanerkennungsgesetz" war das Hauptthema der Mitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft für medizinische Rehabilitation e.V. (DEGEMED) in Berlin. Zahlreiche Vertreter von Reha-Kliniken äußerten ihr Unverständnis über den Referententwurf, der neben der politisch umstrittenen Zuschussrente für Geringverdiener auch die Anpassung des Reha-Budgets der Deutschen Rentenversicherung (DRV) regeln soll. Der Entwurf sieht vor, das Budget erst ab dem Jahr 2017 anzupassen, obwohl bereits ab dem nächsten Jahr die geburtenstarken Jahrgänge in die reha-intensive Lebensphase ab 45 eintreten. In der Zeit zwischen dem 45. und dem 65. Lebensjahr ist nach Analysen der DRV die Wahrscheinlichkeit, eine medizinische Reha zur Vermeidung einer Erwerbsminderung zu brauchen, am höchsten.
Heftige Kritik am Regierungsentwurf übte Ingo Nürnberger, Abteilungsleiter Sozialpolitik beim DGB. Der Reha-Bedarf steige aufgrund der demografischen Entwicklung schon im nächsten und den Folgejahren an. Der von den Sozialpartnern und der DRV im Rentendialog gemachte Vorschlag sei daher „das mindeste, was geleistet werden muss.", so Nürnberger. Dieser Vorschlag sieht eine Erhöhung des Budgets ab 2013 vor. Dieser Kritik schloss sich auch Dr. Martin Kröger, Abteilung Soziale Sicherung der BDA, an. „ Mit dem Demografiefaktor will die Bundesregierung zwar grundsätzlich ein Konzept der Selbstverwaltung aufgreifen. In seiner jetzigen Ausgestaltung wird der Faktor aber vier Jahre zu spät wirksam", so Kröger.
„Durch den Plan der Regierung droht eine politisch motivierte Unterversorgung im Bereich der medizinisch hochwertigen und qualitätsorientierten Rehabilitation.", befürchtet auch Hartmut Stern, Vorsitzender der DEGEMED. Die DEGEMED setze sich daher dafür ein, das Reha-Budget schon im nächsten Jahr deutlich anzuheben. Stern kündigte an, dass die Kampagne „Eine Milliarde MEHR!", mit der die DEGEMED für eine bedarfsgerechte Finanzierung der Reha eintrete, weitergehe. Entscheidend sei, in den nächsten Wochen gemeinsam Position zu beziehen und deutlich zu machen, dass der Ansatz der Bundesregierung an der Wirklichkeit vorbeigehe. (Deutsche Gesellschaft für Medizinische Rehabilitation)